Eine offene Kommunikations- und Fehlerkultur schafft eine Atmosphäre von Vertrauen, Angstfreiheit und Transparenz, denn sie macht deutlich, dass Unsicherheiten, (fachliche) Unklarheiten und Probleme im Austausch dazu gehören und dass sie benannt und hinterfragt werden dürfen. Sie betont, dass es ein erwünschter Teil von pädagogischer Qualität ist, immer wieder zu reflektieren und neu dazuzulernen. Ein Klima der Offenheit ist Teil von Prävention, denn in einer fehlerfreundlichen Atmosphäre ist es auch für Kinder und Jugendliche leichter möglich, Grenzverletzungen und Fehlverhalten zu benennen.
Aus der Organisationsforschung ist bekannt, dass es gerade in Organisationen, die eine hohe Verantwortung für ihre Mitglieder und/oder die Gesellschaft übernehmen, wichtig ist, dass sowohl gegenüber Kolleg:innen und als auch gegenüber Vorgesetzten Einwände und Bedenken geäußert werden können – gerade wenn diese nicht besonders konkret sind oder vielleicht nur ein "ungutes Gefühl".
Durch einen offenen Umgang mit Fehlern - auch mit kleinen Abweichungen, Missverständnisen oder Irrtümern - können mögliche Probleme im System leichter erkannt und bearbeitet werden. Dabei geht es nicht darum eine:n "Schuldige:n" zu finden, sondern darum, die Fehlerquellen zu beseitigen, bevor etwas Schlimmes passiert.
Verbunden mit einem solchen Verständnis von Fehlern ist eine Atmosphäre, die nicht durch Schuldzuweisungen geprägt ist, sondern in der Fehler, Fragen und Unsicherheiten offen angesprochen werden können. Dadurch entsteht die Möglichkeit, sich über die Kontexte und Bedingungen der Fehlerentstehung auszutauschen, diese zu analysieren, mehr über die eigene Organisation zu lernen und gemeinsam die Strukturen zu verändern. Dazu gehört auch zu klären, wo die Grenzen zwischen einem akzeptablen und einem unakzeptablen Verhalten gezogen werden.
Feedback und Reflexion sind zentrale Instrumente einer offenen Kommunikations- und Fehlerkultur, denn durch sie werden Fehler eher erkannt und es ergibt sich die Chance, Methoden und Verhalten zu überprüfen und ggf. zu verändern.
Um einen offenen Austausch zu ermöglichen, sind ein positives Teamklima und eine wertschätzende und wohlwollende Grundstimmung im Team sowie ein geschützter Rahmen Voraussetzung.
Leitungskräfte – auch ehrenamtliche Vorsitzende und Vorstandsmitglieder – die kritisches Mitdenken fördern, die neue Ideen und Verbesserungsvorschläge als Bereicherung sehen, die konfliktfähig sind und einen wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeiter:innen pflegen, fördern dadurch ein Klima von Offenheit und Transparenz. Transparenz bedeutet Prävention, denn Täter oder Täterinnen, die Regeln verletzen, setzen alles daran, dass darüber nicht gesprochen wird.
Wenn es unausgesprochene Teamkonflikte, Unstimmigkeiten, nicht ausgetragene fachliche Differenzen gibt, werden diese möglicherweise in gemeinsamen Diskussionen, bei Planungen und inhaltlicher Arbeit am Schutzkonzept sichtbar. Solche verborgenen Konflikte großen Raum greifen und den Entwicklungsprozess erheblich beeinträchtigen. Sie müssen daher bearbeitet werden.
Anregungsfragen:
Moderationsmethoden die helfen, ein offenes Teamklima zu entwickeln in FIPP e.V, Abschnitt „Moderation“.
Kartenset „Offene Fehlerkultur“ des BDKJ Mainz. Das Kartenset soll Feedback- und Reflexions-Situationen ermöglichen bzw. erleichtern
Plakate "Sag, was dir nicht passt!" der Bayerischen Sportjugend. Die Plakate weisen auf grenzverletzende Situationen hin und sollen Mitglieder befähigen, Vorfälle im Verein zu melden. Jedes Plakat hat ein beschreibbares Feld, in dem die Kontaktdaten innerhalb des Vereins eingetragen werden können. Unter dem unten angegebenen Link stehen sie kostenlos zum Download zur Verfügung (unter Schutzmaßnahmen – Sensibilisierung und Schulung ).