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Digitale Medien

Schutzbaum

Für uns alle gehören digitale Medien heute zum Alltag, sind wesentlicher Bestandteil in Kommunikation, Unterhaltung und Produktivität. Auch in der Jugendarbeit werden digitale Geräte alltäglich benutzt - der Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen findet häufig via Messenger statt, Aktionen und Veranstaltungen werden über Social Media dokumentiert etc.. Die Nutzung von digitalen Räumen birgt sowohl Chancen als auch Risiken, die innerhalb des Schutzkonzeptes berücksichtigt werden müssen.

Warum?
Digitale Medien sind selbstverständlicher Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Sie sind im Alltag junger Menschen so präsent, dass eine Unterscheidung zwischen digital und nicht-digital kaum noch möglich ist. On- und Offline verschmelzen miteinander.

Dabei ist der digitale Raum für junge Menschen Lebens- und Erfahrungsort und wichtiges Element ihrer Entwickung und Sozialisation. Dort finden sie vielfältige Chancen und Möglichkeiten, sind aber auch Risiken bezüglich (sexualisierter) Gewalt ausgesetzt.  Immer mehr Minderjährige erleiden sexuelle Übergriffe mit digitalem Medieneinsatz, z.B. durch Cybergrooming, durch Erpressung und Bloßstellung im Zusammenhang mit Sexting, durch die ungewollte Konfrontation mit sexuellen Text- Bild und Videoinhalten etc. 
Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt müssen daher immer auch den digitalen Raum berücksichtigen.

Was?
Die Formen digitaler (oder "mediatisierter") sexualisierter Gewalt sind vielgestaltig. Die folgende Definition versucht, die Bandbreite der Handlungen und Umstände zu erfassen:

"Verletzungshandlungen, mit denen gewaltausübende Personen absichtsvoll eigene Bedürfnisse gegen die sexuelle Selbstbestimmung und/oder das Einvernehmen von Kindern und Jugendlichen durchsetzen und digitale Medien Instrument (z. B. Anbahnung über Messaging-Dienste) oder Kontext (z. B. Tatort im Falle der Verbreitung von Nacktaufnahmen) der Handlungen sind" *.

Zu den Formen mediatisierter sex. Gewalt gehören z.B. die sexualisierte Ansprache von Kindern oder Jugendlichen über digitale Medien, die Aufforderung, sexualisierte Foto- oder Videoaufnahmen oder Nacktaufnahmen herzustellen, die Herstellung und Verbreitung von Missbrauchsabbildungen und viele weitere Taten.

Täter(:innen) nutzen die Mediennutzungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen und ihre entwicklungsbedingte Verunsicherung in der Phase der (sexuellen) Identitätsfindung gezielt aus. Durch geschickte Manipulationen versuchen sie, die jungen Menschen mehr und mehr in ein  Netz aus Angst, Scham und Abhängigkeit zu verstricken.   Dabei werden digitale Medien von Täter:innen strategisch genutzt. Beispielsweise verschenken sie ein Smartphone und machen sich damit beliebt, verlangen dann aber eine Gegensleistung dafür und nutzen dieselben Geräte, um die Gewalt anzubahnen/auszuführen.

Die Folgen mediatisierter sexualisierter Gewalt sind nicht weniger belastend als bei körperlichen Übergriffen. Forschungen deuten darauf hin , dass die Belastungen durch die Mediatisierung der sogar verstärkt wird, z.B. weil  sexualisierte Gewalt über mobile Endgeräte  jederzeit, überall und auch immer wieder verübt werden kann.  Durch die wiederholte Veröffentlichung oder Verbreitung der Missbrauchsabbildungen können Betroffene in einen Gewaltkreislauf geraten. Allein das Wissen über die Gefahr der Wiederholung kann allgegenwärtige und andauernde Ängste auslösen. 

*Informationen vgl.: Vobbe, Frederic/ Kärgel, Katharina: Sexualisierte Gewalt und digitale Medien. Reflexive Handlungsempfehlungen für die Fachpraxis. Open Access-Publikation 2022. 
Kostenloser download unter https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-35764-1

Wie?
Digitale Medien müssen in der Entwicklung von Schutzkonzepten mitgedacht werden.

Bereits bei der Analyse von Risiko- und Schutzfaktoren sollten digitale Aspekte berücksichtigt werden: Welche digitalen Räume nutzen oder eröffnen wir und wie sind diese Räume gestaltet? Schutzelemente können auf unterschiedlicher Ebene dazu beitragen, digitale Räume sicherer zu gestalten, z.B.

  • Einsatz geeigneter Technik und entsprechender Tools
  • Spezifische Regeln und Verantwortlichkeiten zur Nutzung von Online-Räumen 
  • Richtlinien für den Umgang mit (persönlichen) Daten, Bildmaterial etc.
  • Beschwerdemöglichkeiten/Ansprechpersonen
  • Hilfe und Unterstützungsmöglichkeiten bei Regelverstößen und Problemen

Für die Praxis

Analyse - Schwerpunkt digitale Medien
Leitfragen und Reflexionshilfen können die Analyse von Schutz- und Risikofaktoren in digitalen Räumen unterstützen.

Beispiele:

  • Digitale Aspekte in Schutzkonzepten. Eine Arbeitshilfe für Pädagogische Einrichtungen. Enthält einen Fragenkatalog für Mitarbeiter:innen sowie ein Beispiel für die Befragung von Kindern und Jugendlichen zum Sicherheitsempfinden im digitalen Raum. ComputerProjekt Köln e.V., Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW. S. 5 ff
  • Folie "Berücksichtigung digitaler und medialer Gefährdungslagen im Schutzkonzeptprozess". Grafische Darstellung mit Leitfragen zu verschiedenen Elementen im Schutzkonzept. 
Schutzmaßnahmen - Schwerpunkt Digitale Medien
In der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen sind digitale und analoge Räume untrennbar miteinander verbunden. Entsprechend müssen digitale Medien in allen Bereichen des Schutzkonzeptes berücksichtigt werden.

So sollte z.B. in Verhaltensregeln und Schutzvereinbarungen auch der Umgang mit Social Media berücksichtigt werden. Denn die Frage, ob oder inwiefern private Kontakte von Betreuer:innen mit einzelnen Kindern oder Jugendlichen in Ordnung sind, betrifft natürlich auch private Kontakte im digitalen Raum, z.B. über Instagram, Tiktok, Snapchat etc..

Beispiele:

  • Wie bleiben wir bei Online-Themen nicht Offline? Digitale Aspekte in Schutzkonzepten. Webseite "Kein Raum für Missbrauch" der Unabhängigen Beauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM).
  • Checkliste Schutzmaßnahmen für digitale Räume. Mit Anwendungsbeispielen für Instagram und WhatsApp. In der Broschüre "Digitale Aspekte in Schutzkonzepten" der Fachstelle Medienkultur NRW ab S. 9.
  • Leitfaden digitale Aspekte in Kinderschutzkonzepten. Orientierungshilfe, die dazu beitragen soll, dass möglichst wenige der digitalen Aspekte im Schutzkonzept übersehen werden. Herausgegeben von SaferInternet.at
  • Umgang mit Social Media. Empfehlungen der Kommunalen Jugendarbeit in Mittelfranken.
  • Datenschutzkonform? Aber sicher! Umgang mit Daten und Informationen. Themen z.B. Kommunikation mit Jugendlichen, Smartphone- und WLAN-Nutzung etc. Handreichung für Fachkräfte, herausgegeben vom Projektbüro Digitale Kinder- und Jugendarbeit BW.
  • Leitfaden Schutz von Kinderfotos im Netz. Zum sensiblen Umgang mit Kinderfotos und-videos in Institutionen und Organisationen.  Safe the Children und Jugendschutz.net. In Deutsch und Englisch.
  • Klicksafe Youth Panel Guide: Jugendliche geben in dem Ratgeber Tipps zum Thema Online-Sicherheit, die ihnen wichtig sind und die sie gerne selbst bekommen hätten an andere Jugendliche. Die Themen umfassen zum Beispiel sexuelle Gewalt, Cybermobbing, exzessive Mediennutzung sowie Hass und Hetze im Netz.
  • Bildkarten zum Thema Mediennutzung: 21 Bildkarten, um mit Kindern über die Chancen und Risiken der Mediennutzung ins Gespräch zu kommen. Das Begleitheft informiert über sexualisierte Gewalt mittels digitaler Medien und zeigt verschiedene Einsatzmöglichkeiten auf. Herausgegeben von der Fachberatungsstelle Violetta
  • Qualitätskriterien zum Umgang mit mediatisierter sexualisierter Gewalt: Sammlung von Materialien Beiträgen zum Thema z.B. "Handlungsmöglichkeiten bei kursierenden Bildern, Videos und Chats", "Qualitätskriterien für die Arbeit mit grenzverletzenden Jugendlichen" etc.. Aus dem Projekt ByeDV
Information und Hilfe bei digitaler sexualisierter Gewalt
Links zu Hilfe- und Unterstützungsangeboten für Betroffene und zu ausgewählten Infoseiten

Hilfe und Unterstützung für Betroffene:

  • Juuuport: Bundesweite Online-Beratungsplattform für junge Menschen, die Probleme im Netz haben
  • HateAid: Informationen, Beratung und rechtliche Unterstützung bei digitaler Gewalt
  • Frag Zebra: Konkrete Antworten auf individuelle Fragen zu digitalen Medien innerhalb von höchstens 24 Stunden. Kostenfrei, zuverlässig, unabhängig. Ein Angebot der Landesanstalt für Medien NRW.
  • Take it down: Kostenloser und vertraulicher Dienst, der es Nutzern ermöglicht, unerwünschte oder schädliche Inhalte, die persönliche Bilder oder Videos enthalten, von verschiedenen teilnehmenden Online-Plattformen entfernen zu lassen.
  • Anna nackt: Hilfe bei Fragen rund um Nacktbilder im Internet.
  • Dickstinction: Hilfe bei ungewolltem Erhalt von Dickpics.
     

Informationen für Kinder, Jugendliche, Fachkräfte:

  • Glossar zu digitalen Gewaltformen: Erklärungen zu den am häufigsten vorkommenden Bezeichnungen von digitalen Gewaltformen und zu weiteren Begriffen, die relevant sind bei digitaler Gewalt.
  • Klicksafe: Unabhängiges Informationsportal mit umfangreichen aktuellen Informationen, praktischen Tipps und hilfreichen Materialien für eine sichere, kompetente und selbstbestimmte Internetnutzung. Themen z.B. Cybergrooming, Cybermobbing, Was tun gegen Nacktbilder und Deepfakes im Netz? etc.
  • Safe im Recht: Kostenlose und vertrauliche Beratungsstelle zu digitaler Gewalt und Jugendrecht.
  • SaferInternet.at: Umfangreiche Informationen für Kinder und Jugendliche, Eltern, Fachkräfte. Trotz einiger rechtlicher Unterschied sind die Informationen und Materialien zum großen Teil auch für die Jugendarbeit in Bayern geeignet.
  • Factsheet "DOs and DON´Ts" bei Missbrauchsdarstellungen im Netz: Was kann ich tun, wenn ich im Internet auf Missbrauchsdarstellungen stoße? An wen kann ich mich wenden? Und können die Inhalte gelöscht werden? Antworten darauf gibt das Safer Internet Centre bzw. die Internet-Beschwerdestelle in diesem Factsheet.
  • "Sounds wrong" : Informationen, Meldemöglichkeiten, Präventionsmaterialien gegen die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen im Netz. Kampagne der Polizeilichen Kriminalprävention.